Franzi das Yogamädchen – Kangatraining und Trageberatung – Teil 3

Franzi das Yogamädchen -
Kangatraining und Trageberatung - Teil 3

Liebe Franzi, ich habe gesehen, dass inzwischen Kangatraining machst und Trageberatung anbietest?
Du berätst also Eltern, wie sie ihre Kinder am angenehmsten für Kind und Erwachsenen mit Tragehilfe oder Tragetuch tragen können?

Ja! Zur Trageberatung bin ich gekommen, weil ich meinen Sohn von Anfang an auch mit Tragehilfen getragen habe.

Ich habe mich beim Tragen zuerst im Freundeskreis von anderen Müttern inspirieren lassen, war aber nicht wirklich glücklich mit dem Thema.

Mein Sohn wurde sehr viel und sehr gerne getragen. Ich habe ihn immer vorne getragen, auf den Rücken zu tragen kam mir damals gar nicht in den Sinn und auch nicht, dass dies angenehmer sein könnte. Irgendwann habe ich mich jedoch entschlossen, mich hierzu besser doch beraten zu lassen, und zwar, als mein Sohn schon 10 Monate alt gewesen ist. 

Ich habe ihn fortan auf den Rücken getragen und schnell bemerkt: „Hey, das ist ja um einiges leichter und angenehmer!“ Das tolle Gefühl der Optimierung und die Hilfestellung, wie die Dinge in diesem Bereich einfach leichter zu handhaben sind – all das ist so wertvoll und hat mir persönlich sehr weitergeholfen!

Eine Trage ist nämlich nicht gleich Trage, es gibt hierbei so viele unterschiedliche Modelle und Techniken, wie man sein Kind im Alltag transportieren kann, es muss bequem sein und auch passen für Träger und Tragling. Auch hier hat mir nach den vielen Monaten erst die Beratung weitergeholfen, sodass ich dieses auch gerne anderen Müttern anbieten wollte.

Im Jahr 2015, als ich Stillberaterin wurde, habe ich gleichzeitig den Grundkurs zur Trageberatung gemacht, den ich dann in 2016 mit dem Aufbaukurs und einer Fortbildung zur Optimierung für Tragehilfen vertiefen konnte.

Um nun den Bogen zum Kangatraining zu bekommen: Bei der reinen Trageberatung an sich hat irgendwann etwas gefehlt, so habe ich mich dann entschieden, die Ausbildung zur Kangatrainerin zu machen.

Kangatraining ist Tanzen und Sport für Mütter mit Baby – aber auch für Schwangere, das sogenannte PreKanga.
Kangatraining bedeutet also Sport für Mamas mit Kind in der Tragehilfe oder im Tragetuch?


Genau! Du musst Dir das so vorstellen, dass die Kanga-Stunden wie folgt aufgebaut sind:

Es gibt einen kleinen „Bodenteil“, da gibt es Übungen, bei welchen die Kinder mit integriert sind. Bei anderen Übungen liegen die Kinder daneben und werden ggf. gleichzeitig von ihren Mamas ein wenig bespaßt. Wenn ich die Übungen dann zeige und sicher gehen kann, dass die Mamas die Übungen auch selbständig machen können gucke ich dann ein bisschen nach den Kindern und kümmere mich darum, dass sie beschäftigt sind, altersgerechtes Spielzeug ist auch da.

Nach 15 Minuten dann werden die Kinder in die Tragehilfe oder Tragetuch gesetzt.  Im Stand machen wir dann Choreos für die Ausdauer und Übungen zur Muskelstärkung für die Arme und Beine. Ich schau bei jeder Mama einmal drüber, helfe, wo Hilfe nötig ist und kann Tipps zum richtigen Tagen geben. 

Ein weiteres Element ist das Beckenbodentraining.
Wir schonen und stärken den Beckenboden, da der Beckenboden nach einer Geburt grundsätzlich noch geschwächt ist. Grundsätzlich achten wir auf postnatale Beschwerden und passen das Training daran sowie an das Fitnesslevel der Mama an.

Während des Trainings frag ich immer wieder nach, ob alles bequem ist und gut sitzt, da grade in Aktion eher gespürt wird, wenn etwas nicht optimal eingestellt ist. Zudem hab ich selbst Tragehilfen dabei, sodass eine Mama nicht zwingend eine eigene Tragehilfe braucht, um mitmachen zu können.

Einsteigen kann man 6-8 Wochen nach einer Spontangeburt oder 10-12 Wochen nach einem Kaiserschnitt und nachdem man den gynäkologischen Check-Up nach der Geburt bestanden hat.
Du hast vorhin PreKanga angesprochen, was kann man sich darunter vorstellen? Ist das eine Art „Schwangeren-Sport“?

Genau. Es ist genauso ein Intervall- und Ausdauertraining wie Kangatraining, an das Trimester der Schwangerschaft, dem Fitnessstand der Schwangeren und möglichen Beschwerden angepasst.

Kannst Du noch etwas zu den verschiedenen Tragen sagen? Mir war nicht bewusst, dass es hier ein so großes Angebot gibt, was ich erstaunlich finde. Kannst Du vielleicht einmal erläutern, welche Fehler man beim Tragen machen kann?

Klar! Mir begegnet am häufigsten, dass die Tragehilfen etwas zu locker eingestellt werden, doch es soll ja eine Tragehilfe sein, und nicht etwas, was man zusätzlich mit seinen Händen festhalten oder ständig zurecht zupfen muss! Natürlich gibt es noch mehr „Fehler“, jedoch ist dieser der, der mir aus meinen persönlichen Beratungsalltag sofort einfällt.

Gibt es Tragehilfen unterschiedlich nach Alter?

Bei einer Tragehilfe ist gar nicht das Alter so entscheidend, sondern die Körpergröße des Kindes, und da gibt es natürlich verschiedene Modelle je nach Größe. Das ist jedoch je nach Hersteller unterschiedlich. Manche "wachsen mit", manche haben 2 Größen, manche 3. Je nach Größe sitzen sie auch beim Träger anders, sodass dies auch für ihn passen muss.

Es gibt so viele Tragen auf dem Markt – wichtig ist, dass man auf jeden Fall verschiedene Modelle ausprobiert. Es gibt keine „allerbeste Trage“, jedes Modell hat individuell seine Vorzüge. Man muss bei den Tragen aber auf jeden Fall darauf achten, dass die Beine des Babys ausreichend gespreizt und angewinkelt werden können und Babys Po tiefer als seine Knie sitzen. Das Kind muss sich angehockt in der Trage befinden, seine Beinchen gespreizt, seine Unterschenkel frei beweglich. So kann der Rücken des Kindes seine natürlich gerundete Form annehmen.

Tragen kann den Alltag manchmal sehr erleichtern. 

Zum Beispiel, wenn ich zum Kinderarzt gehe und meine Tochter an den 3 Kinderwagen die den Flur versperren vorbeitrage, denke ich – gut, dass ich meinen da jetzt nicht auch noch dazu quetschen muss. Und um Diebstahl muss ich mir so auch keine Sorgen machen.  Oder bei Regen. Ich hasse es, mit einer Hand den Kinderwagen schieben zu müssen, damit ich in der anderen den Schirm halten kann. Habe ich meine Tochter auf den Rücken, bin ich freier und sie ist auch vor dem Regen geschützt. Oft macht Tragen einem das Leben viel einfacher. Man hat die Hände frei. Daher empfehle ich Tragen so gerne, angepasst an die individuelle Situation der Familie.

Ich gebe zu: Ich trage auch nicht ausschließlich. Ich schiebe auch mal ganz gerne den Kinderwagen, je nach Situation und was ich oder meine Tochter grade brauchen. Allerdings läuft meine Tochter auch mittlerweile sehr gerne, sodass oft weder das eine noch das andere zum Einsatz kommt.

Wer jetzt zu Dir zu einer Trageberatung kommen möchte, wann wäre da der beste Zeitpunkt? Vor oder nach dem Kauf der Tragehilfe?

Dann, wenn man Tragen möchte und vor dem Kauf steht, denn sonst kann es schnell passieren, dass man sich für etwas entscheidet und bezahlt, und dann merkt, dass die Tragehilfe nicht zu einem passt. Und spätestens dann ist eine Trageberatung sinnvoll.

Hier gehts zur Trageberatung!
Zum Abschluss etwas Kindermund zum Schmunzeln – an dieser Stelle möchte ich Dich fragen: Was waren die lustigsten Wörter, die Deine Kinder kreiert haben?

Ha ha, ja! Mein Sohn hat immer „Pommkins“ zu Pommes gesagt und meine Tochter sagte zu Orangensaft immer „Strullermax“, dabei haben wir dieses Wort nie im Zusammenhang mit Orangensaft verwendet! Mittlerweile sagt sie Orangensaft. Aber weißt Du, wenn unser Interview beendet ist, fallen mit bestimmt noch viel mehr Sachen ein ...

Franzi, es hat mir richtig Spaß gemacht, ich danke Dir herzlich für das Interview. Es war sehr interessant, etwas über Dich, über Tragehilfen und etwas über Kangatraining zu erfahren, vielen herzlichen Dank dafür – und für Deine Zeit.

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