Franzi das Yogamädchen – über Geburten, Stillen und Stillberatung – Teil 2

Franzi das Yogamädchen - über Geburten, Stillen und Stillberatung - Teil 2

Du bist nebenbei noch Stillberaterin, ein wichtiger Beruf – erzähle uns davon.

Genau, die Stillberatung mache ich ehrenamtlich. Das bedeutet, ich kann über das Ehrenamt die Stillberatung kostenfrei anbieten. Hierzu ist jedoch zu sagen, dass ich persönlich zwar einen medizinischen Hintergrund mitbringe, jedoch über das Ehrenamt keine tiefer gehende medizinische Beratung anbieten darf. Hier sind uns im Ehrenamt Grenzen gegenüber Stillberaterinnen mit medizinischer Weiterbildung gesetzt.
Im Ehrenamt liegt der Fokus auf der Mutter zu Mutter-Beratung. Natürlich verfügen wir über ein gewisses medizinisches Wissen, wir müssen ja medizinische Probleme erkennen können und wissen, wann wir an medizinisches Fachpersonal weitergeben. Gerne helfen wir bei allgemeinen Stillproblemen. Wenn wir unsere Grenzen erreichen, können wir an Fachpersonal vermitteln und die Mama weiterhin unterstützen und begleiten. Ein ganz wichtiger Punkt ist das Dasein und Zuhören.

 Wir geben Lösungswege mit auf dem Weg, aber die Expertinnen ihrer Situation sind die Mütter und wir unterstützen sie auf dem Weg, der zu ihnen passt.
Wenn Du von medizinischem Hintergrund sprichst, was meinst Du damit?

Ich bin ausgebildete Krankenschwester. Ich bin zwar momentan noch in Elternzeit, werde aber in den kommenden Monaten wieder in meinen Beruf einsteigen. Hier nutze ich dann die Möglichkeit, mich weiterzubilden, um anschließend ein erweitertes Beratungsspektrum anbieten zu können. Im Ehrenamt gelten wir nämlich als „nichtmedizinisches Personal“ und müssen stets in medizinischen Fragen an Fachpersonal verweisen, das sieht der Gesetzgeber so vor.

Bist Du über den Beruf der Krankenschwester zur Stillberatung gekommen oder eher über die Erfahrungen beim Stillens Deines ersten Kindes?

Es war eher meine eigene Erfahrung, die mich zur Ausbildung zur Stillberaterin bewogen hat. Zu Beginn und bei der Geburt meines ersten Kindes hat leider alles nicht so reibungslos funktioniert und ich selber habe für meinen Teil leider keine richtige Beratung bekommen, wobei ich mir das sehr gewünscht hätte! Ich habe das Stillen dann leider relativ schnell abgebrochen und habe gleichzeitig sehr darunter gelitten, dass es nicht so geklappt hat, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich habe dann eine Ausbildung bei einem Verein gemacht, und zwar aus zwei Beweggründen heraus. Erstens weil ich ein echtes Interesse am Thema Stillen hatte – ich wollte über mehr Wissen verfügen, für z. B. ein weiteres Kind. Ich wollte die Hintergründe verstehen und lernen, wie man Stillprobleme in den Griff bekommt.

Mir selber hat es sehr gefehlt, dass ich hier niemanden hatte – deswegen möchte ich zudem gerne für andere Mütter da sein. Ich möchte nicht, dass ihnen das gleiche passiert wie mir – das war ein weiterer wichtiger Beweggrund.

Das ist super – und auch ein sehr wichtiges Thema, welches endlich mehr in den Fokus gerät. Vor ein paar Jahren sah das ja noch etwas anders aus ...

Oh ja, das ist aber zum Teil auch heute noch so! Viele Menschen sind erstaunt, wenn ich Ihnen sage, dass ich Stillberaterin bin. Sie fragen mich, was man denn da so macht – viele können sich auch gar nicht vorstellen, dass Mütter Fragen haben und auch sehr verunsichert sein können ...

Ich finde es großartig, dass Du das anbietest. Du sagtest zuvor auch, dass Dein Blog ein bisschen Eigentherapie beinhaltet – ging es da unter anderem auch um diese Thematik?

Ja. Im Großen und Ganzen ging es um das für mich zu verarbeitende Thema wie des Stillens, aber auch darum, dass mein erstes Kind per Kaiserschnitt gekommen ist.

War das ein geplanter Kaiserschnitt?

Letztendlich ja, weil das Baby in der Beckenendlage lag, jedoch kam es dazu erst in der 35. SSW. Einige Krankenhäuser entscheiden sich dann schnell für einen Kaiserschnitt. Das Baby lag eigentlich schon lange in dieser Lage und mein Frauenarzt meinte, dass jedoch noch genug Zeit vorhanden sei, dass mein Sohn sich noch dreht – was er jedoch nicht getan hat. So kam es dann zum Kaiserschnitt, was mich etwas überfordert hat, weil ich mir eine spontane Geburt gewünscht habe. Vielleicht hätte man das Baby doch noch zum Drehen bewegen können, doch war damals meine Angst zu groß. Zudem wurde in diesem Krankenhaus eine spontane Geburt bei Beckenendlage nicht angeboten. Wenn auch die Chance gering gewesen wäre, hatte ich zudem auch Angst, dass es sich doch wieder in die Ursprungslage zurückdrehen würde. Dann steht man nämlich vor der gleichen Situation. Aus diesem Grund habe ich mich dann doch für den Kaiserschnitt entschieden ... Es kamen viele Faktoren zusammen – heute würde ich mich auf jeden Fall anders entscheiden, doch beim ersten Kind ist man sowieso immer unsicher, alles ist noch neu.

Es ist ja auch eine schwierige Sache, man ist unsicher und muss aber in diesem nicht einfachen Moment elementare Entscheidungen treffen. Zudem gehen alle Kliniken etwas unterschiedlich mit dieser Thematik um ...

Wenn Du Müttern etwas mit auf den Weg geben könntest, was Du vor der Geburt Deines ersten Kind gerne gewusst hättest, was wäre das?

Aus dem Stegreif: dass ich in meiner ersten Schwangerschaft so wenig Wert auf die Hebammenbetreuung gelegt habe! Ich hatte eine Hebamme zur Nachsorge, aber habe mich nicht gut betreut gefühlt.

Bei meinem zweiten Kind habe ich mir direkt eine für die Rund-um-Versorgung gesucht, also auch während der Geburt, was mit unglaublich geholfen hat und mir so manche Verunsicherung, Sorge und Angst nehmen konnte. Ich hätte mir diese Unterstützung schon viel früher gewünscht. Jemand, der sich auch ausführlich um Sorgen und Ängste kümmern kann.

Ich hole noch ein bisschen weiter aus: Bei der Geburt meines Sohnes hatte ich ja den Kaiserschnitt, blieb fünf Tage im Krankenhaus und war anschließend mehr oder weniger allein mit dem Baby zu Hause, weil mein Mann ja arbeiten ging. Bei meiner Tochter schließlich hat dann auch mein Mann Elternzeit genommen Das hat mir sehr viel Sicherheit gegeben und ich bin so froh, dass wir es so gemacht habe.

Man merkt auch, dass Väter immer häufiger Elternzeit nehmen, und zwar nicht nur einen Monat, sondern gerne auch gleich für mehrere Monate. Das ist so wertvoll und unglaublich unterstützend für die gesamte junge Familie ... Ich konnte mich so aufs Baby und das Stillen konzentrieren, war nicht alleine und mein Mann hat sich primär um den Sohn gekümmert. Dies war auch fürs stillen sehr förderlich.

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Superfood Muttermilch– 8 Gründe fürs Stillen und warum auch du stillen solltest! - Willkommen Baby - last year Reply

[…] Falls du noch weitere Fragen hast, empfehle ich dir eine Stillberatung. Mehr über Stillberatungen findest du in unserem Interview mit Stillberaterin Franzi.  […]

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